Das Rennen fand vom 4.–7. September statt, vier Etappen standen auf dem Programm. Wir reisten bereits am 2. September an, da es bis ins Friaul über 6 h Reise braucht.
Die erste Etappe war rund 170 km lang und komplett flach. Wir starteten um 12:30 Uhr auf einer schönen italienischen Piazza. Pro Team waren 6 Fahrer am Start – bei 30 Teams macht das 180 Athleten. Die bekanntesten Teams waren Jumbo-Lease a Bike Devo, Alpecin, UAE U23, Astana, Arkéa und Bardiani. Das Niveau war sehr hoch.
Da es am ersten Tag fast 35 Grad hatte, verbrachte ich viel Zeit mit Trinken – auch am Teamauto, um Flaschen für die ganze Mannschaft zu holen. Eine sehr gute Erfahrung. Das Tempo in der ersten Rennstunde war hoch, über 50 km/h. Nach etwa 60 km setzte sich eine kleinere Gruppe vorne ab, die rund 20 km vor dem Ziel wieder eingeholt wurde. Schlussendlich gab es einen grossen Massensprint. Mein Tagesziel erreichte ich: keine Zeit verlieren, und ohne Sturz ins Ziel kommen.
Start in Ampezzo: 140 km, aber über 3000 Hm – eine Etappe für die Bergfahrer. Von Beginn an regnete es stark. Gegen Ende überquerten wir einen 6 km langen Anstieg, dann einen Pass, bevor der 5 km lange Schlussanstieg folgte. Ich hatte von Beginn an super Beine und half, unsere Gesamtklassement-Fahrer gut zu positionieren.
Beim längeren Pass fuhr ich konstant mein Tempo hoch und war oben am Bergpreis etwa auf Position 25. Durch eine schnelle Abfahrt konnte ich am Schlussanstieg zu meinem Teamkollegen Robin Donzé aufschliessen. Ich fand nochmals gute Beine und beendete das Rennen auf Rang 22 – als bester Schweizer dieser Etappe.
Am Anfang komplett flach, am Ende zwei rund 3 km lange Anstiege. Die Startphase war wieder extrem – für 1:30 h fuhren wir praktisch nur in Einerkolonne. Wegen starkem Regen gab es viele Stürze, ich blieb glücklicherweise das ganze Rennen auf dem Velo. An den Anstiegen griffen die Topleute sofort an, das Feld wurde komplett verrissen.
Auf der Kuppe des ersten Anstiegs fuhr ich allein der zweiten Gruppe hinterher, etwa auf Platz 20. Durch einen harten Effort schloss ich in der Abfahrt auf, schoss mich dabei aber etwas zu sehr ab und ging mit "blauen Beinen" in den letzten Anstieg, wo ich abgehängt wurde. Ich kam mit einer Verfolgergruppe ins Ziel und verbesserte mich im Gesamtklassement auf Rang 21.
160 km, sehr flach, mit einigen unrhythmischen steileren Anstiegen am Schluss. Nach 20 km schaffte ich es in eine vierköpfige Spitzengruppe, wir fuhren ein sehr hartes Tempo – bei den Führungen trat ich über 450 Watt. Nach 10 km wurden wir von einer weiteren Spitzengruppe eingeholt, darunter unser Teamleader Nils Brun, weshalb ich nochmals alles gab, um die Lücke zu vergrössern. Wenige Kilometer später wurden wir dennoch eingeholt.
Danach ging ich zweimal zum Teamauto und holte Flaschen und Eis für meine Teamkollegen – bei wieder über 30 Grad. Beim letzten kleinen Anstieg, 10 km vor dem Ziel, fühlte ich mich noch gut, konnte aber nicht mehr alles herausholen und musste abreissen lassen. Ich kam mit einigen Minuten Rückstand ins Ziel. Nils erreichte im Sprint noch Rang 3.
Das Wichtigste für mich diese Woche war, dass ich immer Spass hatte. Klar war es manchmal schmerzhaft, aber die Motivation liess nie nach. Ich kam gesund ins Ziel und konnte eigentlich immer ziemlich lange vorne mithalten. Das Niveau bei den Profis ist sicher extrem: An einem guten Tag fährt man in die Top 20, am nächsten Tag kann man schon früh abfallen. So ist der Sport.
Da es mein erstes Rennen mit Profiteams war, konnte ich extrem viele wertvolle Erfahrungen sammeln. Auch Coach Albasini hat sehr gute Tipps mit auf den Weg gegeben. Ich bin jetzt zwar noch ziemlich müde, jedoch hochmotiviert, um weiter an meinem Traum zu arbeiten. Nach diesem Rennen weiss ich, wo ich stehe – sehe aber auch, wohin ich kommen kann.
Danke an Swisscycling für die super Woche. Auch ein herzliches Dankeschön an meine Trainer, Roland Richner, und meine Familie, die mich immer unterstützen.
